Welche WM-2026-Gruppe ist die stärkste? – Alle 12 Gruppen im Vergleich

Zwölf Gruppen, 48 Teams, und in jeder Sportredaktion der Schweiz wird dieselbe Debatte geführt: Welche Gruppe ist die stärkste? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. FIFA-Rankings, Buchmacher-Quoten und Expertenmeinungen liefern unterschiedliche Ergebnisse – weil sie unterschiedliche Dinge messen. Das FIFA-Ranking bewertet Ergebnisse der letzten vier Jahre. Buchmacher bewerten aktuelle Kaderqualität und Marktwahrnehmung. Experten bewerten das, was sie gesehen haben – und übersehen, was sie nicht kennen.
Ich vergleiche alle zwölf Gruppen der WM 2026 nach einem eigenen Massstab: Wie eng ist das Leistungsgefälle innerhalb der Gruppe? Eine “starke” Gruppe ist nicht zwingend die mit dem besten Team, sondern die, in der der Abstand zwischen Erstem und Viertem am kleinsten ist – wo jedes Spiel offen ist und jeder jeden schlagen kann. Genau dort liegt der Value für Sportwetten, und genau dort wird die WM 2026 die spannendsten Geschichten schreiben.
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- Gibt es noch Todesgruppen im neuen Format?
- Gruppen A bis D: Die Gruppen der Gastgeber
- Gruppen E bis H: Europas Schwergewichte
- Gruppen I bis L: Südamerika trifft auf Afrika
- Gruppenranking: Von der stärksten zur schwächsten
- Gruppe B mit der Schweiz – wie schwer ist sie wirklich?
- Wo lauern die grössten Überraschungen?
Gibt es noch Todesgruppen im neuen Format?
Bei der WM 2014 hiess die Todesgruppe “Gruppe G”: Deutschland, Portugal, Ghana, USA. Drei WM-Teilnehmer mit realistischen Ambitionen und ein afrikanisches Team mit Turniererfahrung. Bei der WM 2022 war es Gruppe E: Spanien, Deutschland, Japan, Costa Rica – und am Ende flogen die Deutschen raus. Das Konzept der Todesgruppe lebt von der Enge: Wenn drei starke Teams um zwei Plätze kämpfen, muss ein Favorit sterben.
Mythos: “Bei 48 Teams gibt es keine Todesgruppen mehr”
Realität: Die Wahrscheinlichkeit klassischer Todesgruppen sinkt, verschwindet aber nicht. Bei zwölf Gruppen à vier Teams und 48 Teilnehmern ist die Streuung der Qualität grösser als bei acht Gruppen und 32 Teams. Die FIFA-Setzliste verteilt die Top-12-Nationen als Gruppenköpfe, was verhindert, dass Brasilien und Frankreich in derselben Gruppe landen. Aber die Töpfe 2 bis 4 können Überraschungen erzeugen: Gruppe H mit Spanien, Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde hat mit Spanien und Uruguay zwei Teams, die bei jeder WM Viertelfinal-Kandidaten sind. Gruppe F mit den Niederlanden, Japan, Tunesien und Schweden vereint drei Teams mit WM-Achtelfinale-Erfahrung in den letzten Jahren.
Der entscheidende Unterschied zum alten Format: Bei 48 Teams qualifizieren sich auch die acht besten Gruppendrittplatzierten. Das bedeutet, dass eine klassische Todesgruppe – in der ein starkes Team ausscheidet – seltener wird. Selbst der Dritte in einer harten Gruppe hat eine realistische Chance, als einer der acht besten Dritten weiterzukommen. Die “Todesgruppe” der WM 2026 ist deshalb weniger ein Grab als ein Schleudersitz: Man überlebt möglicherweise, aber mit Blessuren und einer ungünstigen Ausgangsposition für die K.o.-Runde. Historisch gesehen haben Gruppendritte, die über die Hintertür in die K.o.-Runde einziehen, bei der EM selten weit geschafft – mit der bemerkenswerten Ausnahme Portugals 2016, das als Gruppendritter das gesamte Turnier gewann.
Für Wetter verändert das die Kalkulation. Bei früheren WM-Turnieren waren “Todesgruppen”-Wetten hochprofitabel: Wer korrekt vorhersagte, welcher Favorit in einer engen Gruppe ausscheidet, kassierte hohe Quoten. Bei der WM 2026 lautet die profitable Frage nicht mehr “Wer scheidet aus?”, sondern “Wer wird Gruppensieger?” – denn der Unterschied zwischen Platz 1 und Platz 2 oder 3 bestimmt den Weg in der K.o.-Runde, nicht das blosse Überleben. Ein Gruppensieger trifft in der Round of 32 auf einen Drittplatzierten, ein Gruppenzweiter auf einen Gruppenersten einer anderen Gruppe – die Qualitätsdifferenz ist erheblich, und genau dort liegt der Hebel für clevere Wetten.
Gruppen A bis D: Die Gruppen der Gastgeber
Die ersten vier Gruppen beherbergen alle drei Gastgebernationen – und das ist kein Zufall. Die FIFA platziert Gastgeber traditionell in separate Gruppen und setzt sie als Gruppenköpfe, unabhängig von ihrem FIFA-Ranking. Das Ergebnis: Mexiko führt Gruppe A, Kanada Gruppe B, und die USA Gruppe D. Nur Gruppe C mit Brasilien als Gruppenkopf hat keinen Gastgeber – aber dafür den fünfmaligen Weltmeister.
Gruppe A: Mexiko, Südkorea, Südafrika, Tschechien. Mexiko ist Gastgeber und spielt das Eröffnungsspiel im Estadio Azteca – der emotionale Höhepunkt für den mexikanischen Fussball und ein Stadion, das bei WM-Spielen eine Atmosphäre erzeugt, die jeden Gegner einschüchtern kann. Das Azteca hat Geschichte: Maradonas “Hand Gottes” 1986, Pelés Finale 1970. Mexiko wird diese Energie nutzen, und wer gegen die El Tri im Azteca wettet, muss diesen Faktor einpreisen. Südkorea bringt die Erinnerung an 2002 mit (Halbfinale als Co-Gastgeber) und einen Kader, der in der Premier League und der Bundesliga vertreten ist – Son Heung-min ist der prominenteste Name, aber die koreanische Mannschaft hat mehr Tiefe als viele wahrnehmen. Südafrika ist der schwächste Teilnehmer auf dem Papier, aber die Erfahrung als WM-Gastgeber 2010 und die jüngste Entwicklung im afrikanischen Fussball sollten nicht unterschätzt werden. Tschechien hat sich über die Qualifikation einen Platz erkämpft und bringt solide Turniererfahrung mit – bei der EM 2021 erreichte man das Viertelfinale. Die Gruppe ist ausgeglichen im Mittelfeld – kein Top-Favorit, aber auch kein klarer Aussenseiter ausser Südafrika. Mexiko und Südkorea werden um Platz 1 kämpfen, mit Tschechien als Drittplatzierten-Kandidat.
Gruppe B: Kanada, Schweiz, Katar, Bosnien-Herzegowina. Die Schweizer Gruppe – und aus neutraler Perspektive eine der schwächsten des Turniers. Kanada ist Gastgeber mit limitierter WM-Erfahrung, Katar hat bei der Heim-WM 2022 drei Spiele verloren, und Bosnien ist als Playoff-Gewinner (Sieg gegen Italien im Elfmeterschiessen) eine Wundertüte. Die Schweiz ist der klare Favorit neben Kanada, und das Ausscheiden in der Gruppenphase wäre eine ernsthafte Enttäuschung. Trainer Yakin hat die Gruppe als “machbar” bezeichnet – eine Einschätzung, die ich teile, aber nicht ohne Vorbehalt. Die ausführliche Analyse der Schweizer WM-Chancen zeigt, warum. Bosnien hat bewiesen, dass es unter Druck liefern kann, und Katar hat seit 2022 drei Jahre Zeit gehabt, sich zu verbessern.

Gruppe C: Brasilien, Marokko, Haiti, Schottland. Hier treffen zwei Teams aufeinander, die bei der WM 2022 beide ins Viertelfinale (Brasilien) beziehungsweise Halbfinale (Marokko) vorgestossen sind. Das ist die spannendste Paarung in den ersten vier Gruppen. Brasilien ist Favorit, aber Marokko hat 2022 bewiesen, dass es gegen jeden Gegner bestehen kann. Haiti ist Debütant auf WM-Niveau und wird als klarer Aussenseiter starten. Schottland kehrt nach der EM 2024 auf die grosse Bühne zurück, hat aber in der jüngeren Turniergeschichte selten über die Gruppenphase hinausgekommen. Die Gruppe wird sich zwischen Brasilien und Marokko entscheiden – und genau diese Paarung kann eine der attraktivsten der Gruppenphase werden.
Gruppe D: USA, Paraguay, Australien, Türkei. Die Gastgeber-Gruppe der USA, und auf dem Papier die anspruchsvollste aller Gastgeber-Gruppen. Die Türkei ist ein Team mit enormem Talent (Calhanoglu, Yildiz, Güler), das bei Turnieren oft unter seinen Möglichkeiten bleibt – bei der EM 2024 überzeugte die Türkei phasenweise und scheiterte im Viertelfinale an den Niederlanden. Das türkische Team hat die individuelle Qualität, um jeden Gegner in dieser Gruppe zu schlagen, aber auch die Tendenz, in entscheidenden Momenten die Nerven zu verlieren. Australien hat bei den letzten beiden WM-Turnieren überrascht – 2022 das Achtelfinale erreicht, nachdem man bei den drei vorherigen WM-Turnieren in der Gruppenphase ausgeschieden war. Die Socceroos haben sich unter Graham Arnold zu einem taktisch disziplinierten Team entwickelt, das gegen physisch überlegene Gegner mithalten kann. Paraguay bringt südamerikanische Härte mit, hat aber seit 2010 (Viertelfinale unter Trainer Martino) keine WM-Höhepunkte mehr erlebt und einen Kader, der international weniger prominent besetzt ist als die anderen drei Gruppengegner. Die USA sind Favorit, aber die Türkei ist ein Gegner, der an guten Tagen jedes Team der Welt schlagen kann – und an schlechten Tagen gegen jeden verliert. Diese Unberechenbarkeit macht Gruppe D zu einer der interessantesten für Wetter, die auf Einzelspiel-Überraschungen setzen.
Gruppen E bis H: Europas Schwergewichte
Wenn die Gruppen A bis D den Gastgebern gehören, dann gehören E bis H den europäischen Titelfavoriten. Deutschland, Niederlande, Belgien und Spanien sind die Gruppenköpfe – vier Teams, die in den letzten zwanzig Jahren zusammen drei WM-Titel und drei EM-Titel gewonnen haben.
Gruppe E: Deutschland, Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao. Deutschland hat die auf dem Papier bequemste Gruppe aller europäischen Schwergewichte. Curaçao ist Debütant und wird gegen jedes der drei anderen Teams als Aussenseiter starten. Aber Côte d’Ivoire, der amtierende Afrika-Cup-Sieger, ist alles andere als ein einfacher Gegner. Die Ivorer haben bei der WM 2014 eine starke Gruppenphase gespielt und bringen mit Haller, Boly und Kessié Spieler aus europäischen Topligen mit. Ecuador hat sich bei der WM 2022 solide präsentiert (Gruppenphase überstanden, im Achtelfinale gegen Senegal ausgeschieden) und bringt eine junge, hungrige Mannschaft mit. Für Deutschland sollte der Gruppensieg Pflicht sein – alles andere wäre eine Krise. Die Frage ist, ob Deutschland das souverän erledigt oder ob es wie bei der EM 2024 ein holpriger Weg wird.
Gruppe F: Niederlande, Japan, Tunesien, Schweden. Mein Kandidat für die interessanteste Gruppe des Turniers. Japan hat bei der WM 2022 Deutschland und Spanien in der Gruppenphase geschlagen – nicht durch Glück, sondern durch taktische Umstellungen zur Halbzeit, die den europäischen Gegner systematisch ausmanövrierten. Der japanische Fussball hat in den letzten zehn Jahren einen qualitativen Sprung vollzogen: Mehr Spieler in europäischen Topligen als je zuvor, eine taktische Identität, die zwischen verschiedenen Systemen wechseln kann, und eine Mentalität, die von der chronischen Achtelfinal-Schwäche nichts mehr wissen will. Tunesien hat bei den letzten beiden WM-Turnieren jeweils respektable Leistungen gezeigt und den dänischen Mitfavoriten 2022 in der Gruppe auf den dritten Platz verwiesen. Schweden kehrt nach dem Verpassen der WM 2022 zurück, hat aber einen Kader im Umbruch nach dem Rücktritt von Schlüsselspielern wie Ibrahimovic und Forsberg. Die Niederlande sind Favorit, aber Japan ist ein Gegner, der jeden europäischen Gruppenkopf stürzen kann. Das Duell Niederlande gegen Japan hat das Potenzial zum Gruppenspiel des Turniers – und für Wetter ein Pflichttermin, weil die Japan-Quoten den tatsächlichen Leistungsstand dieser Mannschaft fast sicher unterschätzen.
Gruppe G: Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland. Belgiens goldene Generation läuft aus – De Bruyne, Courtois, Lukaku sind alle über 30, und der Nachwuchs hat noch nicht bewiesen, dass er das Niveau halten kann. Bei der EM 2024 scheiterte Belgien bereits im Achtelfinale an Frankreich, und die taktischen Probleme unter Trainer Tedesco waren offensichtlich. Ägypten mit Salah ist eine Ein-Mann-Armee im besten Sinne: Wenn Salah liefert, kann Ägypten jeden Gegner in der Gruppe schlagen – sein Tempo, seine Torgefahr und seine Erfahrung auf höchstem Klubniveau machen ihn zum gefährlichsten Einzelspieler ausserhalb der Top-Favoriten. Iran hat bei der WM 2022 gegen England 2:6 verloren, aber zuvor gegen Wales gewonnen und sich als physisch starkes, taktisch diszipliniertes Team präsentiert. Neuseeland ist der klare Aussenseiter und wird gegen jedes der drei anderen Teams als deutlicher Underdog starten. Die Gruppe ist die schwächste der vier “europäischen” Gruppen – Belgien sollte als Erster weiterkommen, aber der Abstand zu Ägypten und Iran ist geringer als die Quoten suggerieren, und ein ägyptischer Coup gegen das alternde Belgien wäre alles andere als eine Sensation.
Gruppe H: Spanien, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay. Spanien trifft auf Uruguay – und genau dieses Duell hebt Gruppe H auf ein anderes Level. Uruguay hat bei der WM 2022 die Gruppenphase nicht überstanden, aber der Kader um Núñez, Valverde und Araujo gehört zu den stärksten Südamerikas. Saudi-Arabien hat bei der WM 2022 Argentinien im Auftaktspiel geschlagen – ein Ergebnis, das niemand vergessen hat. Kap Verde ist Debütant und wird die geringsten Chancen haben, aber der afrikanische Fussball hat in den letzten Jahren gezeigt, dass Debütanten nicht automatisch Kanonenfutter sind. Gruppe H ist die Gruppe mit dem grössten Qualitätsgefälle zwischen dem Gruppenkopf (Spanien) und dem schwächsten Team (Kap Verde), aber gleichzeitig die mit dem gefährlichsten Gruppenzweiten-Kandidaten (Uruguay). Für Wetter ist die Konstellation Spanien vs. Uruguay im letzten Gruppenspiel potenziell das Spiel, das über den Gruppensieg entscheidet – und damit über den Weg in der K.o.-Runde.
Gruppen I bis L: Südamerika trifft auf Afrika
Die letzten vier Gruppen versammeln die restlichen Titelfavoriten – Frankreich, Argentinien, Portugal und England – und bieten einige der faszinierendsten Konstellationen des gesamten Turniers.
Gruppe I: Frankreich, Senegal, Norwegen, Irak. Der Topfavorit in einer Gruppe, die auf dem Papier machbar aussieht, aber Stolpersteine bereithält. Senegal war bei der WM 2022 im Achtelfinale und hat mit Mané eine Ikone, die grosse Turniermomente liefern kann. Die senegalesische Mannschaft verbindet physische Präsenz mit taktischer Disziplin – eine Kombination, die bei afrikanischen Teams der jüngeren WM-Geschichte (Kamerun 1990, Senegal 2002, Ghana 2010, Marokko 2022) regelmässig zu Überraschungen geführt hat. Norwegen bringt Erling Haaland mit – den torgefährlichsten Stürmer der Welt, der bei seiner ersten WM-Teilnahme unter enormem Druck stehen wird. Haalands Tor-Statistik auf Klubniveau ist phänomenal, aber Norwegen um Haaland herum hat nicht die Kadertiefe, um einen systematischen Turnierlauf zu planen. Irak ist der Debütant der Gruppe, aber der irakische Fussball hat in den letzten Jahren in der asiatischen Qualifikation überrascht und verdient mehr Respekt als die Quoten vermuten lassen. Die Gruppe ist Frankreichs zu verlieren: Wenn Mbappé und Co. ihre Klasse ausspielen, ist der Gruppensieg eine Formsache. Aber wenn Haaland gegen Frankreich trifft und Senegal aus dem zweiten Topf heraus einen Coup landet, kann die Gruppenphase unerwartet eng werden. Für Wetter ist Norwegen der interessanteste Kandidat: Haalands Torquote auf Klubniveau ist phänomenal, und seine Quote als Torschütze in Einzelspielen dürfte unter dem realen Wert liegen – besonders gegen defensiv weniger organisierte Gegner wie Irak.
Gruppe J: Argentinien, Algerien, Österreich, Jordanien. Die Gruppe des Titelverteidigers – und die vermeintlich leichteste aller Favoritengruppen. Argentinien wird den Gruppensieg dominieren, die Frage ist lediglich, wie komfortabel. Österreich ist der interessanteste Gegner: Das Team hat sich unter Ralf Rangnick bei der EM 2024 beeindruckend präsentiert und spielt ein intensives, pressing-orientiertes System, das auch gegen Spitzenteams funktioniert. Algerien bringt leidenschaftliche Fans und eine Mannschaft mit, die in der afrikanischen Qualifikation solide performt hat. Jordanien ist Debütant und wird als klarer Aussenseiter starten, hat aber im asiatischen Cup 2024 das Halbfinale erreicht – eine Leistung, die Respekt verdient. Für Schweizer Wetter ist Österreich als DACH-Nachbar besonders interessant: Kann Österreich Argentinien ärgern? Mehr dazu in der Analyse der Gruppe J. Die Quoten auf ein Remis oder gar einen Sieg Österreichs dürften attraktiv sein.
Gruppe K: Portugal, Usbekistan, Kolumbien, DR Kongo. Diese Gruppe hat das Potenzial, die spannendste des gesamten Turniers zu werden. Portugal ist Gruppenkopf, aber Kolumbien – Copa-América-Finalist 2024, mit Luis Díaz, James Rodríguez und einer Mannschaft, die in Südamerika zu den Top 3 gehört – ist auf Augenhöhe. Das Duell Portugal gegen Kolumbien ist ein Spiel, das auch in der K.o.-Runde nicht deplatziert wäre. Usbekistan ist Debütant und die grosse Unbekannte: Der usbekische Fussball hat sich in den letzten Jahren entwickelt, aber WM-Niveau ist ein anderer Massstab. Die DR Kongo komplettiert die Gruppe mit einer physisch starken Mannschaft, die in der afrikanischen Qualifikation überzeugt hat. Der Kampf um Platz 2 zwischen Kolumbien und dem Verlierer des Direktduells Portugal-Kolumbien wird über die Gruppenphase hinaus Konsequenzen für den Turnierbaum haben.

Gruppe L: England, Kroatien, Ghana, Panama. Englands Gruppe ist die einzige unter den Favoritengruppen, in der der Gruppenzweite ein ehemaliger WM-Finalist ist. Kroatien – WM-Finale 2018, WM-Dritter 2022 – ist auch mit einem alternden Kader ein Gegner, den England bei keinem der letzten Turniere leicht bezwungen hat. Bei der WM 2018 besiegte Kroatien England im Halbfinale, und Modric dominierte das Mittelfeld in einer Weise, die den englischen Fans noch in Erinnerung ist. Ghana bringt afrikanische Unberechenbarkeit mit und hat bei der WM 2010 das Viertelfinale erreicht – ein Team, das an guten Tagen jeden Gegner fordern kann, mit einer neuen Generation von Spielern, die in europäischen Ligen Erfahrung sammeln. Panama hat bei der WM 2018 debütiert und drei Niederlagen kassiert, sich aber seitdem als feste Grösse in der CONCACAF-Qualifikation etabliert und unter Trainer Thomas Christiansen eine taktische Identität entwickelt. Für England ist der Gruppensieg Pflicht, aber Kroatien wird den Weg dorthin unbequem machen. Der letzte Gruppenspieltag England gegen Kroatien wird eines der meistgesehenen Gruppenspiele des Turniers sein – und für Wetter ein Pflichttermin, weil die Quoten auf ein kroatisches Remis oder einen kroatischen Sieg attraktiven Value bieten könnten, wenn England bereits qualifiziert ist und rotiert.
Gruppenranking: Von der stärksten zur schwächsten
Jedes Ranking ist subjektiv, und meines ist keine Ausnahme. Aber ich stütze mich auf drei messbare Kriterien: das durchschnittliche FIFA-Ranking der vier Teams, die Turniererfahrung (Anzahl der WM-Teilnahmen in den letzten 20 Jahren) und die Enge des Leistungsgefälles innerhalb der Gruppe. Eine Gruppe ist “stark”, wenn das Gefälle gering ist – wenn also auch das schwächste Team realistische Chancen hat, Punkte zu holen.
An der Spitze steht für mich Gruppe K: Portugal, Usbekistan, Kolumbien, DR Kongo. Die Kombination aus einem europäischen Titelfavoriten und einem südamerikanischen Copa-América-Finalisten auf den Plätzen 1 und 2 macht diese Gruppe zum härtesten Pflaster des Turniers. Kolumbien wäre in jeder anderen Gruppe Mitfavorit auf den Gruppensieg – hier kämpft es möglicherweise um Platz 2. Das durchschnittliche FIFA-Ranking der Gruppe ist hoch, und die Drittplatzierten-Chance ist real: Selbst der Verlierer des Duells Portugal-Kolumbien hat eine Chance als bester Dritter. Die DR Kongo als viertes Team bringt zudem mehr Qualität mit als typische Viertkandidaten in anderen Gruppen – afrikanische Mannschaften haben bei den letzten WM-Turnieren bewiesen, dass sie in der Gruppenphase für Überraschungen sorgen können.
Auf Platz zwei setze ich Gruppe F: Niederlande, Japan, Tunesien, Schweden. Drei der vier Teams haben bei der WM 2022 mindestens die Gruppenphase überstanden (Japan und Niederlande das Achtelfinale, Tunesien knapp gescheitert). Die Niederlande sind Favorit, aber Japan hat bewiesen, dass europäische Gruppenköpfe keineswegs unantastbar sind. Tunesien und Schweden werden um den dritten Platz kämpfen – und der Gewinner dieses Duells hat gute Chancen, als Drittplatzierter weiterzukommen. Was diese Gruppe besonders macht: Alle vier Teams haben eine klare taktische Identität und sind defensiv organisiert. Das bedeutet weniger Kantersiege und mehr enge Spiele – genau die Konstellation, die Wetter lieben, weil die Quoten die Enge unterschätzen.
Gruppe H mit Spanien und Uruguay folgt auf Platz drei. Die Stärke dieser Gruppe konzentriert sich auf zwei Teams, während Kap Verde und Saudi-Arabien einen deutlichen Qualitätsabfall darstellen. Das macht die Gruppe weniger ausgeglichen als F oder K, aber das Direktduell Spanien-Uruguay hebt sie über den Durchschnitt. Uruguay unter Bielsa hat eine taktische Revolution durchlaufen und kombiniert südamerikanische Intensität mit europäischer Organisation – eine Mischung, die Spaniens Ballbesitz-Spiel vor Probleme stellen wird.
Gruppe L (England, Kroatien, Ghana, Panama) belegt Platz vier – Kroatiens Turnierstärke macht den Unterschied. In den Plätzen fünf bis acht folgen die Gruppen D (USA mit der unberechenbaren Türkei), I (Frankreich mit Haalands Norwegen als Gefahrenherd), C (Brasilien gegen WM-Halbfinalist Marokko) und J (Argentinien gegen das EM-starke Österreich). Diese Gruppen haben jeweils einen klaren Favoriten, aber einen Gegner, der für eine Einzelspiel-Überraschung gut ist. Am unteren Ende stehen die Gruppen mit klarer Hierarchie und geringer Spannung: Gruppe G (Belgien gegen schwächere Gegner), Gruppe E (Deutschland mit Curaçao als Debütant, wobei Côte d’Ivoire nicht unterschätzt werden sollte) und Gruppe A (Mexiko als Gastgeber mit moderaten Gegnern).
Gruppe B mit der Schweiz? Im unteren Drittel. Und das ist aus Schweizer Sicht keine schlechte Nachricht – es bedeutet, dass die Nati in einer Gruppe gelandet ist, die den Weg in die K.o.-Runde ebnet, ohne dass ein Titelfavorit im Weg steht.
Gruppe B mit der Schweiz – wie schwer ist sie wirklich?
Yakin hat die Auslosung als “attraktiv und machbar” bezeichnet. Die Quoten für einen Schweizer Gruppensieg liegen bei etwa 2.00 bis 2.20, für ein Weiterkommen (Platz 1 bis 3) bei unter 1.20. Das sagt der Markt: Die Schweiz kommt durch. Aber sagt der Markt die Wahrheit?
Kanada ist der gefährlichste Gegner. Nicht wegen der individuellen Qualität – da liegt die Schweiz mit Xhaka, Akanji und Ndoye vorne -, sondern wegen des Kontexts. Kanada spielt eine Heim-WM, und das dritte Gruppenspiel Schweiz gegen Kanada findet am 24. Juni in der BC Place in Vancouver statt. Wenn es in diesem Spiel um den Gruppensieg geht, wird das Stadion ein Hexenkessel sein. Kanada hat zudem den Vorteil, dass Alphonso Davies als Linksverteidiger bei den besten Klubs der Welt spielt und in Gruppenspielern wie David und Buchanan Offensivkraft besitzt. Die Schweiz muss Kanada als ernsthaften Gegner behandeln, nicht als WM-Neuling.
Katar ist das Team, das am leichtesten zu unterschätzen ist. Drei Niederlagen bei der Heim-WM 2022 – 0:2 gegen Ecuador, 1:3 gegen Senegal, 0:2 gegen die Niederlande – waren ein Debakel, das die internationale Wahrnehmung nachhaltig geprägt hat. Aber Katar hatte damals zum ersten Mal WM-Luft geschnuppert, und die Nervosität war greifbar. Drei Jahre später hat das Team internationale Erfahrung gesammelt, den Asien-Cup 2023 gewonnen und sich durch die asiatische Qualifikation für die WM 2026 qualifiziert – ein Weg, der gegen Japan, Australien und Südkorea führte und bewiesen hat, dass Katar im asiatischen Kontext konkurrenzfähig ist. Katar ist kein Kanonenfutter, auch wenn die Quoten das suggerieren. Das Auftaktspiel Katar gegen Schweiz am 13. Juni im Levi’s Stadium ist der Typ von Spiel, in dem ein übermütiger Favorit ins Stolpern geraten kann – besonders wenn die katarische Mannschaft mit der Demütigung von 2022 als Motivation antritt.
Bosnien-Herzegowina ist die Wundertüte. Ein Team, das Italien – immerhin vierfacher Weltmeister – im Playoff-Finale im Elfmeterschiessen ausgeschaltet hat, bringt eine Mentalität mit, die in Turnierspielen Gold wert sein kann. Bosnien hat bei der WM 2014 debütiert und in der Gruppenphase zwar alle drei Spiele verloren (gegen Argentinien, Nigeria und Iran), aber seitdem hat sich das Team entwickelt. Džeko ist möglicherweise nicht mehr im besten Alter, aber der Kader hat Spieler in europäischen Ligen, die WM-tauglich sind. Das zweite Gruppenspiel Schweiz gegen Bosnien am 18. Juni im SoFi Stadium in Los Angeles wird taktisch anspruchsvoll – Bosnien wird tief stehen und kontern, und die Schweiz muss Geduld beweisen.
Meine Einschätzung: Die Schweiz wird die Gruppenphase überstehen – als Erste oder Zweite. Der Gruppensieg hängt vom direkten Duell mit Kanada ab. Die detaillierte Analyse aller vier Teams gibt es in der Gruppe-B-Spezialseite. Das grösste Risiko ist ein Fehlstart gegen Katar, der die Nerven für die restlichen Gruppenspiele belastet. Für Wetter ist die Gruppe B wertmässig unspektakulär – die Quoten auf Schweizer Weiterkommen sind zu niedrig für eine profitable Wette. Der Value liegt bei Gruppensieger-Wetten (Schweiz vs. Kanada als entscheidendes Duell) und bei Einzelspiel-Wetten mit spezifischen Märkten (Über/Unter Tore, Halbzeit-Ergebnis).
Wo lauern die grössten Überraschungen?
Zwölf Gruppen, und in mindestens drei davon ist der Ausgang offen genug, um die Favoritenrolle in Frage zu stellen. Gruppe F (Niederlande vs. Japan), Gruppe K (Portugal vs. Kolumbien) und Gruppe H (Spanien vs. Uruguay) sind die drei Konstellationen, in denen ein Gruppenkopf realistisch um den Gruppensieg bangen muss. In diesen Gruppen steckt der grösste Value für Sportwetten – weil der Markt die Stärke der Gegner systematisch unterschätzt.
Aber Überraschungen lauern nicht nur in den starken Gruppen. Die vermeintlich schwachen Gruppen bergen ein anderes Risiko: Überheblichkeit. Wenn Deutschland in Gruppe E nach zwei Siegen gegen Curaçao und Ecuador bereits für die K.o.-Runde qualifiziert ist, wird das dritte Spiel gegen Côte d’Ivoire zum Formtest ohne existenziellen Druck – und genau dort schleichen sich Niederlagen ein, die das Selbstvertrauen ankratzen. Bei der WM 2018 verlor Deutschland als Titelverteidiger gegen Südkorea und schied in der Gruppenphase aus – in einer Gruppe, die als machbar galt. Die Geschichte lehrt: Es gibt keine sicheren Gruppen, nur Gruppen mit unterschiedlich hohem Überraschungspotenzial.
Die WM 2026 wird nicht von den Gruppen entschieden, sondern von der K.o.-Runde. Aber die Gruppenphase bestimmt den Turnierbaum – und damit, welche Teams sich auf welcher Seite der Auslosung befinden. Ein Gruppensieg in einer leichten Gruppe kann den Weg bis zum Viertelfinale ebnen, während ein zweiter Platz in einer harten Gruppe direkt auf einen anderen Favoriten führen kann. Welche WM-2026-Gruppe die stärkste ist, ist eine interessante Debatte. Welche Gruppe den besten Value für Wetter bietet, ist die entscheidende Frage – und die Antwort liegt in den Gruppen, wo die Quoten die Realität am stärksten verzerren. Konkrete Wett-Tipps für alle zwölf Gruppen gibt es in den Gruppenphase-Prognosen.
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