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Portugal bei der WM 2026 – ohne Ronaldo besser dran?

Portugal bei der WM 2026 – Die Ronaldo-Debatte und Gruppe K

Es gibt Fragen im Fussball, die man nicht laut stellen darf, ohne einen Sturm auszulösen. “Ist Portugal ohne Cristiano Ronaldo besser?” gehört dazu. Ronaldo hat über 130 Länderspiel-Tore erzielt, ist der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft und ein lebender Mythos. Und trotzdem zeigt die taktische Analyse der letzten drei Turniere ein unbequemes Bild: Portugals beste Momente bei EM und WM kamen oft dann zustande, wenn Ronaldo nicht auf dem Platz war oder eine reduzierte Rolle spielte. Bei der EM 2024 war Portugal am stärksten, als Ronaldo als Zielspieler fungierte und die Kreativspieler um ihn herum – Bernardo Silva, Bruno Fernandes, Rafael Leão – die Freiheit hatten, das Spiel zu gestalten. Die Debatte ist nicht respektlos – sie ist notwendig, weil sie über Portugals WM-Chancen entscheidet.

Ronaldo wird bei der WM 2026 41 Jahre alt sein. Einundvierzig. Er spielt in der Saudi Pro League bei Al-Nassr, einer Liga, die trotz der Mega-Transfers der letzten Jahre – Neymar, Benzema, Kanté – in Sachen Intensität, Tempo und taktischer Anforderung weit unter der Premier League, La Liga oder der Serie A liegt. Die Kluft zwischen dem Niveau, auf dem Ronaldo wöchentlich spielt, und dem Niveau, das eine WM verlangt, ist grösser als bei jedem anderen potenziellen WM-Teilnehmer. Roger Milla war 42 bei der WM 1994, aber Milla war ein Einwechselspieler, der in den letzten 20 Minuten frische Energie brachte. Ronaldo beansprucht die volle Spielzeit, die Kapitänsbinde und die Hauptrolle. Die Frage ist nicht, ob Ronaldo noch Tore schiessen kann – das kann er, auch mit 41, weil Tore schiessen zu seinen Grundfähigkeiten gehört wie Atmen. Die Frage ist, ob seine Präsenz auf dem Platz Portugals taktische Möglichkeiten einschränkt, ob ein Spieler, der nicht mehr pressen kann und nicht mehr sprinten will, in ein modernes WM-System passt – und ob der Trainer den Mut hat, die Antwort auf diese Frage öffentlich zu geben.

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Table of Contents
  1. Kader: Die Post-Ronaldo-Ära oder doch nicht?
  2. Gruppe K: Usbekistan, Kolumbien, DR Kongo – Kolumbien als Prüfstein
  3. Ronaldo: Bereicherung oder Bremse?
  4. Quoten-Einschätzung

Kader: Die Post-Ronaldo-Ära oder doch nicht?

Portugals Kader ist – mit oder ohne Ronaldo – einer der stärksten bei der WM 2026. Rafael Leão bei der AC Milan hat sich zu einem der besten Flügelspieler Europas entwickelt: schnell, direkt, mit einem linken Fuss, der Tore aus unmöglichen Winkeln erzielt. Bernardo Silva bei Manchester City bringt die taktische Intelligenz eines Spielers, der unter Pep Guardiola gereift ist – seine Ballkontrolle, seine Positionswechsel und seine Fähigkeit, in engen Räumen Lösungen zu finden, sind auf dem Niveau der absoluten Weltspitze. Bruno Fernandes bei Manchester United ist der kreative Motor: Vorlagen, Distanzschüsse, Standardsituationen – alles aus einer Hand, mit einer Intensität und einem Willen, der das Spiel prägt.

Im Mittelfeld hat Portugal mit Vitinha bei Paris Saint-Germain und João Neves – ebenfalls bei PSG – eine neue Generation, die technisch brillant und taktisch vielseitig ist. Vitinha kontrolliert das Tempo, Neves bringt Dynamik und Laufstärke, und zusammen bilden sie eine Doppelachse, die den Ball zirkulieren lässt und den Übergang von Defensive zu Offensive beschleunigt. Rúben Neves und João Palhinha bieten physischere Alternativen, die in Spielen gegen aggressive Gegner – etwa Kolumbien – nützlich sein können. Rúben Dias bei Manchester City und António Silva bei Benfica bilden eine Innenverteidigung, die auf Klubniveau zu den besten Europas gehört – Dias mit seiner Erfahrung und Ruhe, Silva mit seiner Jugend und Aggressivität. Diogo Jota bei Liverpool und Gonçalo Ramos bei PSG bringen zusätzliche Offensiv-Optionen, die den Trainer in die komfortable Lage versetzen, zwischen verschiedenen Systemen zu wechseln. Diogo Costa im Tor hat bei der EM 2024 drei Elfmeter gegen Slowenien gehalten – ein Moment, der seine Karriere definierte und ihm die Erfahrung gab, die bei einem WM-Turnier in K.o.-Spielen unbezahlbar ist. Dieser Kader hat die Tiefe und die Qualität, um ohne Ronaldo zu funktionieren – und möglicherweise sogar besser zu funktionieren, weil die taktische Flexibilität zunimmt, wenn kein Spieler unantastbar ist und das System nicht um eine einzelne Person gebaut werden muss.

Das Problem: Ronaldo ist Ronaldo. Sein Einfluss auf die Mannschaft geht über das Sportliche hinaus – er ist der Kapitän, die Identifikationsfigur, der Spieler, um den sich die portugiesische Öffentlichkeit schart. Ihn nicht zu nominieren, wäre eine Entscheidung, die politische Ausmasse hätte. Ihn zu nominieren und auf die Bank zu setzen, wäre ein Kompromiss, der niemanden zufriedenstellt. Ihn aufzustellen, obwohl die taktische Analyse dagegen spricht, wäre eine Entscheidung, die das Team einschränkt. Der Trainer befindet sich in einer Situation ohne gute Lösung – und genau das macht Portugal als Wett-Option so schwer einzuschätzen.

Gruppe K: Usbekistan, Kolumbien, DR Kongo – Kolumbien als Prüfstein

Portugal spielt in Gruppe K gegen Usbekistan, Kolumbien und die DR Kongo. Kolumbien ist der Gegner, der diese Gruppe definiert – ein Team, das bei der Copa América 2024 das Finale erreichte und dabei Brasilien und Uruguay schlug. Kolumbiens Spielweise unter Néstor Lorenzo ist offensiv, tempobetont und mit einer individuellen Klasse im Mittelfeld, die auf WM-Niveau gefährlich ist. Luis Díaz bei Liverpool, James Rodríguez als kreativer Kopf und eine physisch starke Defensive machen Kolumbien zum härtesten Gruppengegner für Portugal.

Das Duell Portugal gegen Kolumbien wird voraussichtlich über den Gruppensieg entscheiden – und der Gruppensieg ist im neuen 48-Teams-Format wichtiger als je zuvor, weil er den Weg in der K.o.-Runde bestimmt. Usbekistan ist der Debütant und ein Team, das auf WM-Ebene eine Unbekannte darstellt – die usbekische Liga produziert Talente, die in Russland und der Türkei spielen, aber die Erfahrung auf WM-Niveau fehlt komplett. Die DR Kongo bringt die physische Intensität und das Tempo afrikanischer Mannschaften mit, hat aber ähnlich wie Usbekistan wenig Erfahrung auf der grössten Bühne. Für Portugal ist die Gruppe machbar – aber Kolumbien ist ein Gegner, der in einem einzelnen Spiel jeden schlagen kann, und genau diese Unberechenbarkeit macht die Gruppenwette komplizierter als es die Quoten suggerieren.

Ronaldo: Bereicherung oder Bremse?

Ich lege die Argumente auf beide Seiten, ohne Sentimentalität und ohne Provokation – weil diese Debatte eine sachliche Analyse verdient.

Was für Ronaldo spricht: Seine Torquote ist auch mit 41 Jahren beeindruckend – in der Saudi Pro League trifft er im Schnitt fast einmal pro Spiel. Seine Erfahrung bei fünf WM-Turnieren gibt ihm eine Ruhe in Drucksituationen, die kein anderer portugiesischer Spieler mitbringt. Seine physische Präsenz bei Standardsituationen – Kopfbälle, Freistösse – ist ein messbarer taktischer Vorteil, der bei einem Turnier mit vielen engen Spielen entscheidend sein kann. Und seine Führungsqualität, seine Fähigkeit, eine Kabine zu kontrollieren und Spieler zu motivieren, ist eine Dimension, die in keiner Statistik auftaucht, aber auf dem Platz spürbar ist.

Was dagegen spricht: Ronaldo in der Saudi Pro League spielt einen anderen Fussball als Ronaldo bei Real Madrid oder Juventus. Die Intensität, das Tempo, der taktische Anspruch der Liga sind nicht mit europäischem Top-Niveau vergleichbar. Ein Spieler, der 90 Minuten in der Saudi Pro League durchspielt, muss bei einer WM gegen Kolumbien oder Frankreich ein Tempo mitgehen, das er im Ligaalltag nicht gewohnt ist. Dazu kommt: Ronaldo auf dem Platz bedeutet, dass Portugal offensiv weniger flexibel ist. Leão, Bernardo Silva und Bruno Fernandes spielen ihr bestes Fussball in fluiden Systemen, in denen Positionen gewechselt werden und kein Spieler fixiert ist. Ronaldo fixiert die Sturmspitze – er steht vorne, wartet auf Bälle und erwartet, dass das Spiel zu ihm kommt. Dieses System kann funktionieren, wenn die Zulieferer genug kreative Freiheit haben. Aber es schränkt die taktischen Optionen ein und macht Portugal vorhersehbarer, als es mit einem mobilen Sturmzentrum wäre.

Die Realität wird ein Kompromiss sein: Ronaldo im Kader, aber nicht in jedem Spiel auf dem Platz. Einwechslungen in der zweiten Halbzeit, Startelf-Einsätze gegen schwächere Gegner, eine reduzierte Rolle gegen Top-Teams. Dieser Kompromiss ist taktisch sinnvoll, aber emotional riskant – weil Ronaldo ein Spieler ist, der die Hauptrolle beansprucht und Nebenrollen nicht akzeptiert. Wie der Trainer diese Situation managt, wird über Portugals Turnierverlauf entscheiden.

Quoten-Einschätzung

Portugal liegt bei den Buchmachern mit Quoten zwischen 12.00 und 18.00 im erweiterten Favoritenkreis – hinter Frankreich, Argentinien, England und Spanien, auf Augenhöhe mit Deutschland und den Niederlanden. Ich halte diese Quote für fair, wenn Ronaldo eine reduzierte Rolle spielt, und für zu niedrig, wenn Ronaldo 90-Minuten-Stammkraft ist. Die Ronaldo-Variable ist der grösste Unsicherheitsfaktor bei der Quotenbewertung – kein anderes Team im Feld hat eine vergleichbare Unbekannte, die so fundamental über die taktische Ausrichtung und damit die Erfolgschancen entscheidet. Genau deshalb empfehle ich, mit Wetten auf Portugals Gesamtsieg zu warten, bis der Kader und die Aufstellung bekannt sind.

Der Gruppensieg in Gruppe K zu einer Quote um 1.80 ist eine solide Option – Portugal hat die individuelle Klasse, um Kolumbien zu schlagen, und sollte gegen Usbekistan und die DR Kongo klar favorisiert sein. Selbst wenn Ronaldo in der Startelf steht, reicht die Qualität des restlichen Kaders, um die Gruppenphase souverän zu überstehen. Bernardo Silva als Torschütze im Turnier ist eine Spieler-Wette mit attraktiven Quoten um 3.00, die auf seiner Rolle als Kreativspieler basiert, der bei Portugal regelmässig in Abschlusspositionen kommt und sowohl mit rechts als auch mit links treffsicher ist.

Portugal bei der WM 2026 ist ein Team mit dem Talent für das Halbfinale – und der Ronaldo-Frage als einzigem Hindernis auf dem Weg dorthin. Die Post-Ronaldo-Ära wird kommen, ob bei dieser WM oder danach. Die Frage ist, ob Portugal bereit ist, diesen Schritt jetzt zu gehen – oder ob die Loyalität zu einer Legende das Team daran hindert, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Die Antwort auf diese Frage liegt beim Trainer. Und dessen Mut oder Mangel daran wird über Portugals Turnier entscheiden – mehr als die Auslosung, mehr als die Taktik, mehr als jeder andere Faktor. In meiner gesamten Karriere als Sportwetten-Analyst habe ich selten ein Team gesehen, bei dem eine einzige Personalentscheidung so viel Einfluss auf den Wett-Value hat wie bei Portugal und der Ronaldo-Frage.

Spielt Ronaldo bei der WM 2026 für Portugal?

Ronaldo wird zum Turnierstart 41 Jahre alt sein und spielt in der Saudi Pro League. Seine Nominierung ist wahrscheinlich, aber eine Stammplatz-Garantie nicht. Die Rolle Ronaldos – Starter, Einwechselspieler oder Kader-Reservist – ist die zentrale Frage für Portugals WM-Chancen.

In welcher Gruppe spielt Portugal bei der WM 2026?

Portugal spielt in Gruppe K gegen Usbekistan, Kolumbien und die DR Kongo. Kolumbien – Copa-América-Finalist 2024 – ist der härteste Gruppengegner und dürfte um den Gruppensieg konkurrieren.

Wie stehen die Quoten für Portugal bei der WM 2026?

Die Quoten für einen portugiesischen Gesamtsieg liegen zwischen 12.00 und 18.00. Portugal gehört zum erweiterten Favoritenkreis, wird aber durch die Ronaldo-Unsicherheit und die fehlende WM-Erfahrung der jungen Generation belastet.

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