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Kann Deutschland bei der WM 2026 zurückschlagen? – Analyse nach dem Heim-EM-Aus

Deutschland bei der WM 2026 – Kaderanalyse und Chancen in Gruppe E

Am 5. Juli 2024 sass ich vor dem Bildschirm und sah, wie Spanien Deutschland im EM-Viertelfinale in der 119. Minute aus dem eigenen Turnier warf. Mikel Oyarzabal traf, das Stuttgarter Stadion verstummte, und eine Heim-EM, die als Wiedergeburt des deutschen Fussballs inszeniert worden war, endete mit der gleichen Leere, die seit 2014 jedes Turnier begleitet. Seitdem hat Deutschland bei grossen Turnieren eine bemerkenswerte Serie aufgebaut – allerdings keine, auf die man stolz sein kann. WM 2018: Vorrunde raus. WM 2022: Vorrunde raus. EM 2024: Viertelfinale raus. Drei Turniere, dreimal das Ende vor dem Halbfinale. Für eine Nation mit vier WM-Titeln ist das nicht nur eine sportliche Krise, sondern eine Identitätskrise.

Die WM 2026 stellt Deutschland vor eine klare Frage: Ist die Mannschaft bereit für ein Comeback auf der grössten Bühne, oder setzt sich der Abwärtstrend fort, der 2018 in Kasan mit dem 0:2 gegen Südkorea begann? Ich analysiere die deutsche Nationalmannschaft aus der Wett-Perspektive, und was mich an diesem Team fasziniert, ist die Diskrepanz zwischen Kluberfolgen und Nationalmannschafts-Leistungen. Deutsche Spieler dominieren in der Premier League, in La Liga und in der Serie A – aber wenn sie das DFB-Trikot anziehen, fehlt oft genau das, was sie bei ihren Klubs auszeichnet. Die WM 2026 in Nordamerika ist der Prüfstein: Entweder Deutschland findet bei diesem Turnier seine Identität wieder, oder die Ära der Krise wird zur neuen Normalität.

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Table of Contents
  1. Qualifikation und Formkurve
  2. Kaderumbruch: Wer übernimmt die Führung?
  3. Gruppe E: Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao – Stolperfallen?
  4. Offensivfussball oder Pragmatismus – was braucht Deutschland?
  5. Quoten-Check: Wie sehen die Buchmacher Deutschland?
  6. Comeback oder erneutes Frühausscheiden?

Qualifikation und Formkurve

Nach dem EM-Aus im eigenen Land stand der DFB vor einer Weggabelung: Weitermachen mit Julian Nagelsmann, der das Team bei der Heim-EM emotional aufgeladen hatte, oder den nächsten Umbruch einleiten. Die Entscheidung fiel für Kontinuität – Nagelsmann blieb. In der WM-Qualifikation zeigte sich, dass diese Entscheidung richtig war. Deutschland qualifizierte sich souverän, gewann die Heimspiele mit der Autorität eines Teams, das weiss, wo das Tor steht, und lieferte auch auswärts solide Leistungen. Die Defensive, lange das Sorgenkind, stabilisierte sich unter Nagelsmanns taktischem Konzept, das auf ein hohes Pressing und schnelles Umschalten setzt.

Was die Qualifikation allerdings nicht zeigen konnte: wie Deutschland unter dem Druck eines K.o.-Spiels bei einem grossen Turnier reagiert. In der Qualifikation spielt Deutschland gegen Teams, die taktisch und individuell unterlegen sind – und gewinnt komfortabel. Bei einer WM warten Gegner, die auf Augenhöhe agieren, die Schwächen analysieren und gezielt bespielen – und genau dort scheitert Deutschland seit 2014 mit einer Regelmässigkeit, die nicht mehr mit Pech erklärt werden kann. Die Formkurve nach der EM 2024 zeigt ein Team, das in Testspielen gegen mittelstarke Gegner funktioniert, aber noch nicht bewiesen hat, dass es die mentale Blockade überwunden hat, die seit drei Turnieren zum vorzeitigen Aus führt.

Nagelsmann hat taktisch vieles verändert – die Spielidee ist offensiver als unter Flick und strukturierter als unter Löw in seinen letzten Jahren. Das Pressing ist aggressiver, der Ballbesitz geduldiger, die Flügel werden stärker eingebunden. Was Nagelsmann nicht verändern konnte: die Geschichte, die auf den Schultern dieses Teams lastet. Drei Turnierenttäuschungen in sechs Jahren haben Spuren hinterlassen, die tiefer gehen als Taktiktafeln. Die Spieler, die 2018 oder 2022 dabei waren – Kimmich, Rüdiger, Havertz – tragen diese Erfahrungen mit sich. Ob sie als Ballast wirken oder als Motivation, wird sich erst beim ersten K.o.-Spiel in Nordamerika zeigen.

Ein positiver Aspekt der Qualifikation war die Integration junger Spieler. Florian Wirtz hat sich von einem Versprechen zu einer Konstante entwickelt. Jamal Musiala, schon bei der EM 2024 der beste deutsche Spieler, hat seine Rolle als kreativer Dreh- und Angelpunkt gefestigt. Diese beiden, zusammen mit Kai Havertz als falschem Neuner, bilden eine offensive Achse, die auf WM-Niveau konkurrenzfähig ist. Die Frage ist, ob die Defensive mithält – denn Deutschlands Turnier-Niederlagen der letzten Jahre waren selten ein offensives Problem. Es waren die Gegentore in entscheidenden Momenten, die alles zerstörten.

Kaderumbruch: Wer übernimmt die Führung?

Der deutsche Kader für die WM 2026 wird ein anderer sein als der, der 2024 bei der Heim-EM antrat. Thomas Müller ist zurückgetreten, Ilkay Gündogan ebenfalls, Manuel Neuer hat das Tor geräumt. Drei Spieler, die zusammen über 350 Länderspiele absolviert haben, sind nicht mehr dabei. Das ist ein Verlust an Erfahrung, der sich nicht einfach durch jüngere Spieler ersetzen lässt – aber es ist auch eine Chance, die Hierarchie im Team neu zu ordnen und die Abhängigkeit von einer Generation zu beenden, die ihren Zenit überschritten hatte.

Jamal Musiala ist der Spieler, um den Nagelsmann das neue Deutschland aufbaut. Bei Bayern München hat sich Musiala zu einem der kreativsten Offensivspieler Europas entwickelt – seine Dribblings, seine Ballkontrolle in engen Räumen und seine Fähigkeit, Gegenspieler im Eins-gegen-eins auszuspielen, sind auf WM-Niveau aussergewöhnlich. Mit 23 Jahren wird er bei der WM 2026 im perfekten Alter sein: alt genug für die Verantwortung, jung genug für die physischen Anforderungen eines 39-Tage-Turniers. Das Risiko: Musiala hat bei der EM 2024 gezeigt, dass er unter Druck glänzen kann, aber auch, dass er in K.o.-Spielen verschwindet, wenn der Gegner ihn konsequent doppelt. Spanien hat genau das im Viertelfinale getan – und Musiala war unsichtbar.

Florian Wirtz bei Liverpool ist die zweite Hälfte des kreativen Duos, das Deutschlands Zukunft definieren soll. Wirtz spielt eine Rolle, die es im deutschen Fussball seit Mesut Özils besten Tagen nicht mehr gegeben hat: der klassische Spielmacher, der aus der Tiefe kommt, Räume findet und mit einem einzigen Pass eine Defensive aushebeln kann. Was Wirtz von Özil unterscheidet: Er schiesst auch selbst Tore. Bei Liverpool hat er sich in der Saison 2025/26 als Stammspieler etabliert und zweistellig getroffen – eine Torquote, die für einen Spielmacher ungewöhnlich hoch ist. Die Kombination Musiala-Wirtz gibt Deutschland eine kreative Doppelspitze im Mittelfeld, die auf WM-Niveau in dieser Form kaum ein anderes Team aufbieten kann. Die Herausforderung für Nagelsmann: Beide Spieler brauchen Raum, beide wollen den Ball haben, beide spielen am liebsten in der gleichen Zone. Wie Nagelsmann dieses taktische Puzzle löst – ob nebeneinander im 4-2-3-1 oder versetzt in einem asymmetrischen System – wird die zentrale Frage der WM-Vorbereitung sein.

In der Defensive liegt Deutschlands grösstes Fragezeichen. Antonio Rüdiger bei Real Madrid ist die Konstante – physisch dominant, erfahren, mental stark, ein Spieler, der bei den grössten Klubs der Welt auf höchstem Niveau verteidigt und in K.o.-Spielen der Champions League bewiesen hat, dass er unter Druck funktioniert. Aber neben ihm? Jonathan Tah hat bei der EM 2024 gezeigt, dass er auf diesem Niveau bestehen kann, aber seine Anfälligkeit für schnelle Stürmer bleibt ein Thema – gegen Spaniens Yamal und Williams war er im Viertelfinale mehrfach einen Schritt zu langsam. Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund bringt spielerische Qualitäten mit, die Nagelsmanns Spielaufbau unterstützen, ist aber in der reinen Verteidigungsarbeit anfälliger als Rüdiger. Im Tor wird Marc-André ter Stegen von Barcelona oder ein alternativer Keeper Neuers Erbe antreten – eine Position, die nach 15 Jahren Neuer komplett neu besetzt werden muss. Neuer war nicht nur ein Torwart, sondern ein elfter Feldspieler, ein Organisator der Abwehr und ein psychologischer Anker in Drucksituationen. Wer auch immer im Tor steht – ter Stegen, Nübel oder jemand anderes – wird an diesem Standard gemessen. Dieser Umbruch im Tor und in der Innenverteidigung ist der Grund, warum ich Deutschland bei der WM 2026 als risikoreiche Wette einstufe: Die Offensive ist Weltklasse, die Defensive ist eine Baustelle, auf der noch nicht klar ist, ob das Fundament hält.

Gruppe E: Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao – Stolperfallen?

Deutschland spielt in Gruppe E gegen Côte d’Ivoire, Ecuador und Curaçao. Auf den ersten Blick eine komfortable Auslosung – kein Team in den Top 20 der FIFA-Rangliste, kein europäischer Rivale, kein südamerikanischer Gigant. Auf den zweiten Blick hat jeder dieser Gegner eine spezifische Qualität, die gefährlich werden kann, wenn Deutschland mit der Mentalität antritt, die 2018 zum Vorrunden-Aus führte.

Côte d’Ivoire ist der amtierende Afrika-Cup-Sieger und hat bei diesem Turnier 2024 eine beeindruckende Comebackstärke gezeigt. Die Ivorer verloren das Eröffnungsspiel, schieden fast in der Gruppenphase aus und gewannen dann das gesamte Turnier – mit einer Mischung aus individueller Klasse und kollektiver Willenskraft. Spieler wie Sébastien Haller und Simon Adingra bringen europäische Liga-Erfahrung mit, und die physische Intensität des ivorischen Spiels kann für jedes Team unbequem sein. In der WM-Geschichte haben afrikanische Teams europäische Favoriten regelmässig in der Gruppenphase überrascht – Senegal 2002 gegen Frankreich, Ghana 2010 im Viertelfinale, Kamerun 1990 gegen Argentinien im Eröffnungsspiel. Deutschland sollte Côte d’Ivoire als ernsthaften Gegner behandeln, nicht als Aufgalopp.

Ecuador bringt südamerikanische Härte und Erfahrung aus der schwierigsten Qualifikation der Welt mit. Bei der WM 2022 schlug Ecuador den Gastgeber Katar im Eröffnungsspiel souverän mit 2:0 und überstand die Gruppenphase, bevor das Aus gegen Senegal kam. Das Team spielt direkt, physisch und mit einer taktischen Kompaktheit, die es schwer macht, Räume zu finden. Enner Valencia, wenn er noch dabei ist, bringt WM-Erfahrung als Torschütze mit. Moisés Caicedo bei Chelsea ist einer der besten defensiven Mittelfeldspieler der Premier League und gibt Ecuador eine taktische Achse, die auf europäischem Klubniveau trainiert wurde. Ecuadorianische Spieler sind an unterschiedliche Klimabedingungen gewöhnt, von der Küstenhitze Guayaquils bis zur Höhenlage Quitos – ein Vorteil in einem Turnier, das in der Sommerhitze Nordamerikas stattfindet.

Curaçao ist der Debütant und der klare Aussenseiter der Gruppe – erstmals bei einer WM dabei, ein historischer Moment für die kleine Karibikinsel mit knapp 150’000 Einwohnern. Die Begeisterung und Energie eines erstmaligen WM-Teilnehmers sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn die individuelle Qualität weit hinter den anderen drei Teams liegt. Für Deutschland muss dieses Spiel ein klarer Sieg werden – alles andere wäre eine Blamage und ein psychologischer Rückschlag für das restliche Turnier. Die Gefahr: Wenn Deutschland Curaçao als Selbstläufer behandelt und gegen Côte d’Ivoire oder Ecuador bereits gepunktet hat, könnte Nagelsmann rotieren – und ein B-Elf-Auftritt gegen einen motivierten Debütanten kann hässlich werden. 2018 verlor Deutschland gegen Südkorea, weil das Team die Gruppenphase nicht ernst genug nahm. Diese Lektion sollte im kollektiven Gedächtnis verankert sein.

Offensivfussball oder Pragmatismus – was braucht Deutschland?

Diese Frage steht seit der WM 2014 im Raum, und jeder Bundestrainer hat sie anders beantwortet. Löw setzte nach dem WM-Sieg auf noch mehr Ballbesitz und noch mehr taktische Raffinesse – und scheiterte zweimal in der Vorrunde. Flick versuchte das Bayern-München-Pressing auf die Nationalmannschaft zu übertragen – und scheiterte ebenfalls in der Vorrunde. Nagelsmann hat bei der EM 2024 einen Mittelweg gefunden: offensiv bei eigenem Ballbesitz, pragmatisch bei Ballverlust, mit klaren Abläufen beim Umschalten in beide Richtungen. Das funktionierte gegen Schottland und Ungarn hervorragend, gegen Spanien im Viertelfinale nicht mehr.

Meine Analyse zeigt: Deutschland braucht bei der WM 2026 weder totalen Offensivfussball noch totalen Pragmatismus, sondern situative Anpassungsfähigkeit – die Fähigkeit, innerhalb eines Spiels zwischen verschiedenen Modi zu wechseln. In der Gruppenphase gegen Côte d’Ivoire, Ecuador und Curaçao muss Deutschland dominieren – Ballbesitz, Pressing, Tore schiessen. Das sind Spiele, in denen Musiala und Wirtz den Unterschied machen können und müssen, indem sie Räume finden, Dribblings einsetzen und Vorlagen liefern. In der K.o.-Runde, gegen Teams wie Frankreich, England oder Argentinien, braucht Deutschland die Fähigkeit, auch ohne Ballbesitz zu bestehen – kompakt verteidigen, Konter spielen, Standards nutzen. Das klingt simpel, ist aber taktisch eine der schwierigsten Aufgaben im Fussball: Ein Team, das auf Ballbesitz getrimmt ist, muss in 15 Minuten umschalten und plötzlich tief stehen können. Nagelsmanns Problem: Seine Mannschaft hat das erste Profil – das dominante Ballbesitzspiel – in der Qualifikation und bei der EM demonstriert. Das zweite Profil – das pragmatische Verteidigungsspiel gegen übermächtige Gegner – wurde noch nie über 90 oder 120 Minuten in einem K.o.-Spiel getestet. Gegen Spanien im EM-Viertelfinale versuchte Deutschland, mitzuspielen – und hatte weder den Ballbesitz noch die Kontrolle, um das durchzuhalten. Genau dort ist Deutschland seit 2014 gescheitert: im Übergang zwischen den taktischen Modi.

Die taktische Schlüsselfrage ist die Doppelsechs. Robert Andrich und Joshua Kimmich haben bei der EM 2024 eine solide Partnerschaft gebildet – Andrich als Abräumer, Kimmich als Verteiler. Aber Kimmich ist ein Spieler, der nach vorne drängt und dabei manchmal die Absicherung vernachlässigt. Bei einem WM-Turnier, in dem ein einziger Konter das Aus bedeuten kann, muss Nagelsmann entscheiden: Gibt er Kimmich die Freiheit, offensiv zu unterstützen, oder bindet er ihn defensiv ein? Die Antwort auf diese Frage wird die Identität des deutschen Spiels bei der WM 2026 definieren.

Quoten-Check: Wie sehen die Buchmacher Deutschland?

Die Quoten für Deutschland als WM-Sieger 2026 liegen zwischen 10.00 und 15.00 – das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 7 bis 10 Prozent. Damit liegt Deutschland hinter Frankreich, Argentinien, England und Brasilien, aber noch vor Teams wie den Niederlanden oder Portugal. Diese Einordnung finde ich grundsätzlich fair: Deutschland hat die offensive Qualität eines Top-5-Teams, aber die defensive Unsicherheit und die mentale Belastung der letzten Turnierjahre drücken die Wahrscheinlichkeit nach unten.

Für den Gruppensieg in Gruppe E bieten die Buchmacher Quoten um 1.70 – ein Wert, der die klare Favoritenrolle widerspiegelt, aber auch das Risiko eines Stolperers gegen Côte d’Ivoire oder Ecuador einkalkuliert. Ich halte diese Quote für fair, aber nicht für Value. Das Risiko ist zu hoch für die geringe Rendite. Interessanter wird es bei Spieler-Wetten: Jamal Musiala als bester Torschütze des deutschen Teams ist bei einigen Anbietern mit Quoten um 4.00 zu haben – ein Wert, der seine Torquote bei Bayern und die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Gruppenphase gegen schwächere Teams trifft, angemessen widerspiegelt. Florian Wirtz als Torschützenkönig des gesamten Turniers liegt bei Quoten um 25.00 bis 30.00 – spekulativ, aber nicht absurd, wenn Deutschland weit kommt und Wirtz seine Liverpool-Form mitbringt.

Die ehrlichste Wette auf Deutschland ist meiner Einschätzung nach eine bedingte: “Deutschland erreicht das Viertelfinale” zu einer Quote um 2.00 bis 2.50. Die Gruppenphase sollte kein Problem sein – die individuelle Überlegenheit gegen alle drei Gegner ist zu gross, um ernsthaft an einem Weiterkommen zu zweifeln. Die Round of 32 gegen einen Drittplatzierten dürfte ebenfalls machbar sein. Beim Achtelfinale wird es schwieriger – der Gegner könnte ein Gruppenerster wie die Niederlande oder Belgien sein, Teams mit der Qualität und Erfahrung, Deutschland in einem K.o.-Spiel zu schlagen. Aber Deutschlands offensive Qualität mit Musiala und Wirtz reicht für dieses Niveau – die Frage ist, ob die Defensive standhält.

Alles darüber hinaus – Halbfinale, Finale, Titel – ist Spekulation, die auf der Hoffnung basiert, dass Nagelsmann das gelöst hat, was drei Bundestrainer vor ihm nicht lösen konnten: Deutschlands Mentalitätsproblem in K.o.-Spielen bei grossen Turnieren. Ich sage bewusst “Hoffnung” und nicht “Überzeugung”, weil die Datenlage keine Überzeugung erlaubt. Drei aufeinanderfolgende Turniere mit vorzeitigem Aus sind ein Muster, kein Zufall. Und Muster brechen nicht, weil ein neuer Trainer kommt oder ein neuer Spieler auftaucht – sie brechen, wenn das Team als Ganzes eine psychologische Schwelle überschreitet. Ob die WM 2026 der Moment dafür ist, kann ich nicht vorhersagen. Aber die Quoten zwischen 10.00 und 15.00 preisen genau diese Unsicherheit ein – und das ist, bei aller Kritik am deutschen Fussball, eine faire Bewertung.

Comeback oder erneutes Frühausscheiden?

Die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften ist eine Geschichte der Extreme. 2014 das 7:1 gegen Brasilien und der vierte Titel. 2018 das 0:2 gegen Südkorea und die Schmach von Kasan. Dazwischen liegt nur ein Turnier – und doch ein Weltuntergang. Was Deutschland bei der WM 2026 braucht, ist nicht ein weiterer extremer Moment, sondern Normalität: solide Gruppenphase, kontrollierte K.o.-Runde, ein Viertelfinale, in dem das Team zeigt, dass es auf diesem Niveau noch bestehen kann. Normalität ist für eine Nation mit vier Sternen auf dem Trikot nicht besonders aufregend – aber nach drei gescheiterten Turnieren wäre sie ein Erfolg.

Kann Deutschland bei der WM 2026 zurückschlagen? Die Offensive mit Musiala, Wirtz und Havertz ist gut genug für jedes Turnier. Die Defensive bleibt das Risiko, und die mentale Komponente – die Fähigkeit, unter Druck in einem K.o.-Spiel zu bestehen – ist die grosse Unbekannte. Nagelsmann hat bei der Heim-EM gezeigt, dass er taktisch auf höchstem Niveau arbeiten kann. Was er nicht gezeigt hat: dass er ein Team durch sieben Turnierspiele tragen kann, ohne dass es in einem davon zusammenbricht. Für Wetten bedeutet das: Deutschland ist ein Team für einzelne Spiele, nicht für den Gesamtsieger. Gruppensieg, Viertelfinal-Einzug, Spieler-Wetten auf Musiala oder Wirtz – dort liegt der Wert. Der fünfte Stern bleibt ein Traum, der frühestens 2030 Realität werden könnte. Aber im deutschen Fussball hat man ja Erfahrung damit, dass Träume manchmal wahr werden – sie brauchen nur etwas länger als geplant.

In welcher Gruppe spielt Deutschland bei der WM 2026?

Deutschland spielt in Gruppe E gegen Côte d’Ivoire, Ecuador und Curaçao. Die Gruppe gilt als machbar, birgt aber Stolperfallen – besonders der Afrika-Cup-Sieger Côte d’Ivoire sollte nicht unterschätzt werden.

Wer ist Deutschlands wichtigster Spieler bei der WM 2026?

Jamal Musiala von Bayern München gilt als Deutschlands kreativer Fixpunkt. Zusammen mit Florian Wirtz von Liverpool bildet er eine offensive Doppelspitze im Mittelfeld, die auf WM-Niveau zu den besten gehört.

Wie stehen die WM-2026-Quoten für Deutschland?

Die Quoten für einen deutschen Gesamtsieg liegen zwischen 10.00 und 15.00, was Deutschland hinter Frankreich, Argentinien und England einordnet. Der Gruppensieg in Gruppe E wird mit Quoten um 1.70 angeboten.

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